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OBGYN.net Broadcasting - "Multiple Pregnancies after ART: The View of the Obstetrician"- transcript

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17ter Europäischer Kongress der Perinatalmedizin - Porto, Portugal

 

"Mehrlingsschwangerschaften"

Hugo Verhoeven, MD, OBGYN.net redaktioneller Berater interviewt Professor Isaac Blickstein von der Frauenklinik des Kaplan Medical Center in Rehovot (Tel Aviv) vorstellen zu können.
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Dr. Hugo Verhoeven: Ich bin Hugo Verhoeven vom Zentrum for Reproduktionsmedizin in Düsseldorf. Ich bin Mitherausgeber von OBGYN.NET und berichte vom Europäischen Kongress für Perinatalmedizin in Porto. Es ist mir eine große Freude, Ihnen Professor Isaac Blickstein von der Frauenklinik des Kaplan Medical Center in Rehovot (Tel Aviv) vorstellen zu können. Guten Morgen Herr Professor.

Professor Isaac Blickstein: Guten Morgen.

Dr. Hugo Verhoeven: Die Mehrlingsrate explodiert derzeit weltweit und einer der Gründe ist sicherlich die weltweite Einführung der Assistierten Reproduktions Technologie (ART) und, natürlich, die verbesserten Ergebnisse. Sie als Geburtshelfer müssen die Probleme lösen, die von den Reproduktionsmedizinern produziert werden, und haben eine ganz eigene Meinung zu diesem Thema. Ich habe Ihren Vortrag gehört, in dem Sie die Art und Weise kritisieren, in der die Reproduktionsmediziner über das Ergebnis ihrer Behandlung denken, und daß die meisten von ihnen die Probleme ignorieren, die die Geburtshelfer und Neonatologen haben.

Professor Isaac Blickstein: Vielen Dank, daß Sie mir diese Frage stellen. Ich würde gerne eine Übersicht darüber geben, was in Wirklichkeit passiert. Wir werden Zeuge einer Veränderung der Gesellschaft. Früher heirateten die Frauen zuerst, dann kamen die Kinder und danach der Beruf. Heute kommt eher zuerst der Beruf, dann Heirat und die Kinder zuletzt. In diesem, höheren Reproduktionsalter haben sie dann Probleme, schwanger zu werden. Glücklicherweise gibt es jetzt die Technologie. In der Tat, die Behandlung der Infertilität hat sich in den letzten 50 Jahren erheblich verändert. Andererseits kann man Infertilität als Krankheit ansehen, die derTherapie bedarf, und wie Sie wissen, hat in der Medizin jede Therapie ihre Nebenwirkungen. Eine der wichtigsten Nebenwirkungen der Infertilitätsbehandlung ist wahrscheinlich das Hyperstimulationssyndrom, das lebensbedrohlich werden kann. Was mich allerdings mehr interessiert, ist, daß mehr Kinder produziert werden als nötig. Dies hat enorme Auswirkungen auf die perinatale Morbidität und Mortalität. Zugegeben, alle Reproduktionsverfahren sind teuer. Sie kosten viel Geld, verlangen viel Energie von den Patientinnen und die Ausbildung der Reproduktionsmediziner  hat ebenfalls ihren Preis. Am Ende wird das dann zu einer Überlebensfrage: Wenn Sie keine Resultate bringen, überlebt Ihr Zentrum nicht. Wenn Sie keine Resultate bringen, überleben Sie als Ärzte oder Laboranten nicht, die viel verdienen, und viel für Fertilität ausgeben. Natürlich sind die Kosten von Land zu Land unterschiedlich. In den USA kann die Behandlung zwischen 5000 und 10000 US-Dollar kosten, während zum Beispiel in Israel die Behandlung kostenlos ist.

Dr. Hugo Verhoeven: Wenn es nichts kostet, bedeutet es noch nicht, daß es kostenlos ist. Es kostet....?

Professor Isaac Blickstein: Es kostet die Gesellschaft.

Dr. Hugo Verhoeven: Genau.

Professor Isaac Blickstein: Daher ist die Schwangerschaftsrate das einzige, was zählt, und zugegebenermaßen, das macht für die Patientin auch Sinn. Die Patientin will ein Kind, und wenn die Nebenwirkung eine Mehrlingsschwangerschaft ist, wird die Patientin dies hin und wieder als Kompensation für lang dauernde Kinderlosigkeit sehen. Sie sind dann glücklich, nach mehreren Jahren unerfüllten Kinderwunsches zwei oder drei Kinder zu bekommen, allerdings sind vielen die Risiken der Mehrlingschwangerschaft nicht bekannt. In der Literatur ist von vielen, vielen Untersuchern wiederholt gezeigt worden, daß die Infertilitätsbehandlung mit einer erhöhten Rate an Mehrlingsgeburten behaftet ist, und einer erhöhten Morbidität und Mortalität. Es wird geschätzt, daß ART die Rate an Hypoxischen Hirnschäden oder Dysplastischer Quadriplegie erhöht. In den USA um 8%...

Dr. Hugo Verhoeven: Lassen Sie uns noch einmal auf die Behandlungskosten zurückkommen. Selbst wenn die Patientin selbst für die Kosten aufkommt, ist es doch die Gesellschaft, die für die Folgen aufkommen muß. Mit andern Worten, wenn die Frau Zwillinge bekommt und dafür selber aufkommen muss, muss dennoch die Gesellschaft 30, 40 oder 50 Jahre für die Folgekosten eines behinderten Kindes aufkommen. Man muss sich dessen sehr klar sein und auch die Patientin darüber aufklären. Ausserdem muß sie verstehen, daß es nicht nur darum geht, schwanger zu werden, sonder um die ganze Schwangerschaft, und um das ganze Leben dieser behinderten Kinder. Es geht hier um enorme Summen.

Professor Isaac Blickstein: Ja, Geld ist das eine, aber ich glaube es geht hier um mehr als nur Geld, was der Gesellschaft verloren geht, ist die Arbeitskraft der Eltern. Sie müssen ihr ganzes Leben völlig auf die Behandlung oder Betreuung eines behinderten Kindes einstellen und es ist für die Gesellschaft wichtig, zu wissen, daß die Risiken enorm sind. Wenn man die Risiken Mehrlingsschwangerschaften mit denen von Einlingsschwangerschaften vergleicht, kommt man sehr schnell zu dem Schluß, daß das Ziel der Infertilitätsbehandlung eine Einlingsschwangerschaft sein muss. Wir wissen um die Schwierigkeiten, die enorme Energie, Talent, und Know How, die für moderne ART-Verfahren notwendig sind, aber wir können eindeutig zwei Arten von iatrogenen Mehrlingen definieren, die vermeidbaren und die unvermeidbaren. Wenn Sie nur die Ovulation induzieren, können Sie die Anzahl der Mehrlingsschwangerschaften nicht kontrollieren. Wenn sie Verfahren benutzen, die keine guten Follikel produzieren, dann bekommen sie keine guten Schwangerschaftsraten, aber das ist unvermeidbar. Auf der anderen Hand ist der Embryotransfer eine Entscheidung, die von der Regierung, von der Gesellschaft, von Ärzten, und von den Patientinnen selbst gefällt werden muss. Und das sind vermeidbare Mehrlinge.

Dr. Hugo Verhoeven: Das ist ein interessanter Punkt. So, wer denken Sie, sollte Vorrang haben, die Regierung, die Regeln des jeweiligen Krankenhauses,, die Einstellung des jeweiligen Arztes, oder die Patientin? Würden Sie sagen, wenn eine Patientin fünf Embryos zurückhaben will, und das Risiko eigehen will, Drillinge zu bekommen, man sagen sollte: "OK, es ist Ihre Entscheidung", oder dass die Verantwortung des behandelden Arztes entscheidend ist? Ich selbst denke, daß viele Ärzte nicht genug über ihre Verantwortung gegenüber den infertilen Pantienten nachdenken.

Professor Isaac Blickstein: Das ist eine ethische Frage, keine medizinische Man kann Infertilitätsbehandlung als unethisch ansehen, da doch etwas Schaden angerichtet wird. Auf der anderen Seite lassen wir die Plastische Chirurgie Nasen verändern, mit den damit verbundenen Narkose- und Operationsrisiken, da wir in einer dynamischen Gesellschaft leben, die heutzutage andere Anforderungen stellt. Im Zentrum dieser Überlegungen stehen unzweifelhaft die Patientinnen, aber wenn sie ausführlich aufgeklärt werden, alle Informationen über Erfolg und Risiken der Mehrlingsschwangerschaft, der Möglichkeit ein behindertes Kind zu haben, den immensen Aufwand, der mit der Aufrechterhaltung einer Mehrlingsschwangerschaft verbunden ist, die Risiken einer Mehrlingsgeburt, und die großen Anstrengungen, diese Kinder aufzuziehen, erhält, könnten sie sich anders entscheiden und damit in Konflikt zu den Ärzten kommen, die eine größere Fertilitätsrate anstreben, allerdins nicht auf Kosten von Mehrlingsschwangerschaften.

Dr. Hugo Verhoeven: Als der wahrscheinlich führende Forscher im Bereich der Morbidität und Mortalität der Zwillingsschwangerschaft, was ist Ihre Botschaft an die Reproduktionsmediziner?

Professor Isaac Blickstein: Versuchen Sie alles, eine Einlingsschwangerschaft zu erzielen, auch wenn das bedeutet, auf Zyklen zu verzichten, selbstwenn das mit niedrigen Fertilitätsraten verbunden ist. Das bedeutet auch, eine Mehrlingsschwangerschaft als schlechtes Ergebnis zu klassifizieren. Dann, wenn Sie Ihre Erfolgsraten berechnen, sollten sie Ihre Einlingsschwangerschaften vorzeigen, die Gesammterfolgsrate ist nicht so bedeutend wie die Einlingserfolgsrate.

Dr. Hugo Verhoeven:Sie sind der Herausgeber eines neuen Buches, das, meiner Meinung nach die Bibel für Reproduktionsmediziner, Geburtshelfer von Mehrlingschwangerschaften, und Neonatologen werden wird. Können Sie uns einige Vorabinformationen zu Ihrem Buch geben?

Professor Isaac Blickstein: Als erstes, Hugo, vielen Dank. Sie waren einer der Katalysatoren für dieses Buch.Wir haben über dieses Problem nachgedacht und fanden, dass es ein Hintergrundlehrbuch benötigte, die Iatrogene Mehrlingsschwangerschaft, die in reichen Gesellschaften epidemisch geworden ist. Man sollte in einer Gesellschaft, die alles hat, und eine Menge für die Gesundheit ihrer Patientinnen tut, der Iatrogenen Mehrlingsschwangerschaft die notwendige Beachtung schenken. Dashalb haben wir uns auf dieses Projekt begeben.Wir beginnen mit der Beschreibung der Biologie der iatrogenen Mehrlingsschwangerschaft, und versuchen Hinweise zu geben, wie man Mehrlingsschwangerschaften vermeidet. Als Zielgruppe sehen wir Ärzte, die die iatrogene Mehrlingsschwangerschaft von Anfang bis Ende betreuen, einschließlich der Vorsorge, und versuchen betroffene Eltern auf die Risiken hinzuweisen. Wir besprechen die medizinrechtlichen und religiösen Aspekte. Ich denke, daß wir durch das in-sup System, dieses Buch, zu dem Sie, Hugo, ja auch sehr viel beigetragen haben auf dem Stand von Februar 2000 sein konnten. Dies ist aussergewöhnlich für ein Lehrbuch dieser Art, welches gewöhnlich zwei Jahre vor der Drucklegung Redaktionsschluß hat. Wir konnten daher alle wichtigen Veröffentlichungen bis zum Februar 2000 berücksichtigen.

Dr. Hugo Verhoeven: So wird dieses Buch also nicht nur zur Bibel für Ärzte werden, sondern auch Schwangeren und sogar für nicht schwangerene Patientinnen neueste Informationen über die Mehrlingsschwangerschaft liefern.

Professor Isaac Blickstein: Natürlich haben wir das Buch in der Fachsprache geschrieben. Wir haben es nicht wie für Frauen- oder Elternernzeitschriften geschrieben, weil unsere Zielgruppe die Mediziner sind. Auf der anderen Seite haben wir ein Glossar eingefügt, mit Erläuterungen aller Verfahren und Medikamentennebenwirkungen. Es ist reichlich bebildert, mit Graphiken, Abbildungen und Photos. Es ist leicht verständlich, auch für Laien und ich denke es wird sich als effektives Hilfsmittel für Paare erweisen, die eine Infertilitätsbehandlung erwägen.

Dr. Hugo Verhoeven: Wann wird es erscheinen?

Professor Isaac Blickstein: Soweit ich weiss, wird es schon im September im Handel sein.

Dr. Hugo Verhoeven: Professor Blickstein, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.