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"Mehrlingsschwangerschaften" |
| Dr.
Hugo Verhoeven:
Ich bin Hugo Verhoeven vom Zentrum for Reproduktionsmedizin in Düsseldorf. Ich bin Mitherausgeber von
OBGYN.NET und berichte vom Europäischen Kongress für Perinatalmedizin in Porto. Es ist mir eine große Ehre, heute mit Professor
Lewis Keith zu sorechen, der an der Northwestern Universität in Chicago lehrt. Er ist ausserdem der Präsident des Zentrums for Mehrlingsforschung, ebenfalls in Chicago. Guten Nachmittag, Lewis, wir kennen uns seit 20 Jahren und da Sie der Guru der Mehrlingsschwangerschaftsforschung sind, wollte ich dieses Gespräch mit Ihnen führen, weil ich meine, dass Sie den besten Überblick über das gesamte Feld der Mehrlingsschwangerschaften haben, und auch die Endokrinologie, Reproduktionsmedizin, Innere Medizin, Geburtshilfe und Neonatologie überblicken. Wir wissen, dass die Inzidenz der Mehrlingsschwangerschaft weltweit explodiert und dass die Hauptgründe die verbesserten Ergebnisse der Künstlichen Reproduktionstechnologie und die Einführung dieser Technologie in immer mehr Ländern sind. Wir Reproduktionsmediziner nehmen auch zur Kenntnis, daß wir Problem produzieren und dass wir keine Ahnung von den Problemen in der Schwangerschaft haben, während der Geburt und am Lebensanfang. Ich weiss, dass Sie eine eigene Meinung über die Verantwortungslosigkeit vieler Ärzte haben, die die Reproduktionsmedizin nur als eine Möglichkeit betrachten, Geld zu verdienen, hohe Schwangerschaftsraten zu erzielen, und an der Spitze ihrer Fachrichtung zu stehen, ohne sich um die Probleme zu kümmern, die sie produzieren. Professor Lewis Keith: Hugo, ich möchte zuerst mit dem Mißverständnis aufräumen, dass alle Probleme durch die Reproduktionsmediziner verursacht werden. Ich glaube das nicht. Abgesehen davon, daß die Frauen immer älter werden, wenn sie schwanger werden wollen, suchen auch viele ihren Frauenarzt aufsuchen, wenn sie schwanger werden wollen. In vielen Ländern, auch in Amerika, kann jeder Art nicht nur das klassiche Medikament, Clomiphen, verschreiben, sie können auch Menotropin und andere extrem wirksame Medikamente injezieren. Ich glaube niemand weiss, wie gross dieser Beitrag zu der weltweiten Epidemie wirklich ist, das ist der erste Punkt, den ich betonen möchte. Während ich Ihnen zustimme, halte ich es für zu einfach, im Sinne, daß es nicht nur die ART Leute sind, die das machen. Dr. Hugo Verhoeven: Lassen Sie uns zur Ausbildung der Ärzte zurückkehren, die Ovulation stimulieren. Ich bin der Meinung, dass nur speziell ausgebildete Ärzte die Möglichkeit haben sollten, Ovulation zu stimulieren. Sind Sie auch dieser Meinung? Professor Lewis Keith: Ich stimme Ihnen absolut zu, da es klar ist, dass diejenigen ohne Ausbildung, Teil dieser Gruppe die ich gerade erwähnt habe, die zu der Epidemie beitragen. Kollegen meines Alters hatten noch keine Ausbildung als zum Beispiel Clomiphen eingeführt wurde. Clomiphen wurde in den Praxen und Kliniken der wenigen Kollegen getestet, die bereits in der Infertilitätsmedizin etabliert waren. Sie überwachten diese Patienten immens genau, sie titrierten sie immens genau, sie kontrollierten die Dosierung und wenn Sie diese Literatur betrachten ist sie schon 20 bis 30 Jahre alt. Ob man sich heutzutage darauf verlassen sollt,e wage ich stark zu bezweifeln. Dr. Hugo Verhoeven: Könnte der Grund dafür, dass die Reproduktionsmediziner soviele Mehrlingsschwangerschaften produzieren, ein Informationsmaglen sein? Professor Lewis Keith: Das ist nur ein Teil der Antwort. Die Patientin, die zu einem Reproduktionsmediziner geht, will nur das eine, und zwar schwanger werden. Wenn die Schwangerschaft einmal eingetreten ist, geht die Verantwortung toatal auf den Geburtshelfer über. Wenn der Geburtshilfer seine Arbeit getan hat, vor dem Termin, am Termin oder frühgeburtlich endet seine Verantwortung. Der Pädiater und der Neonatologe haben die letztliche Verantwortung für das Ergebnis des Reproduktionsmediziners, der der Patientin das Medkament gabe. Wenn Sie nun darüber nachdenken, was wir hier in den letzten zwei Tagen gehört haben, ist es völlig klar, dass mit der erhöhten Rate an neurologischen und hypoxischen Behinderungen, die mit der hohen Frühgeburtenziffer einhergeht, die Geschichte mit den sieben oder acht Monaten, in denen die Patientin durch den Reproduktionsendokrinologen betreut wird, oder den neun Monaten oder weniger in der Betreuung der Geburtshelfer, nicht beendet ist, sonder das ganze Leben der Kinder andauert. Dr. Hugo Verhoeven: Sie sind der Präsident des Zentrums für Mehrlingsforschung, was ist das für ein Zentrum und was stellen Sie den Ärzten und Patienten zur Verfügung. Professor Lewis Keith: Das Zentrum wurde vor etwa 20 Jahren von meinem Zwillingsbruder und mir gegründet, in Anerkennung des Fakts, dass wir beide die Probleme der Schwangerschaft und Kindheit überstanden hatten, dass wir weder grössere neurologische oder körperliche Behinderungen hatten, und da wir feststellten, dass dies nicht für jeden zutraf. Also gründeten wir das Zentrum, das erste dieser Art in Amerika. Wir hatten einen Auftrag des Bundeslandes Illinois, und der beschrieb drei Gründe für unsere Existenz. Der erste war Forschung, der zweite war Aufklärung, und der dritte Dienst an der Allgemeinheit. Im Retrospekt fand das alles statt, bevor die Epidemie begann. Wir haben das gemacht, weil wir im Hinterkopf hatten, dass es da ein Problem gab. Nun ist das einzige, was sich in den 20 Jahren seitdem geändert hat, dass das Problem größer und schlimmer geworden ist. Dr. Hugo Verhoeven: Wie können Sie Ihre Erfahrung und Informationen Ärzten und Patienten mitteilen, und wie können die mit Ihnen in Verbindung treten? Professor Lewis Keith: Früher ging das via Telefon und Brief, aber jetzte haben wir eine Webseite. Ich war völlig verblüfft, als ich vor einigen Tagen einmal nachsah, waren 43000 Treffer auf dieser Webseite http://www.multiplebirth.com verzeichnet. Nun weiss ich nicht, wer auf diese Seite zugreift, aber wir sind auf in den meisten Suchmachinen eingetragen und zusätzlich bekomme ich hunderte von E-Mails pro Jahr von Ärzten, Müttern,Schülern und Lehrern, die Informationen wünschen. Unser Webseite ist einzigartig, in dem Sinne, dass wir Links auf alle Zwillingsorganisationen der Welt haben, die eine Webseite haben. Wir haben eine riesiges weltweites Quellenverzeichnis, einschließlich Europa und Amerika, das derzeit überarbeitet wird. Dr. Hugo Verhoeven: Sie sie Autor und Mitherausgeber eines Buches, das sich zur Bibel for Reproduktionsmediziner, Geburtshelfer, Neonatologen und vielleicht auch an diesem Tema interessierten Patienten entwickeln wird: "Iatrogene Mehrlingsschwangerschaft". Können Sie bitte etwas zum Inhalt dieses Buches sagen? Professor Lewis Keith: Vielen Dank für das Kompliment, ich bin auf das Buch stolz, weil es, wie ich es nenne, <em>Vorwärts Denken</em> repräsentiert. Wenn ich mich richtig erinnere, haben Sie meinem Mitherausgeber, Isaac Blickstein, bei einem Essen in Düsseldorfvorgeschlagen, dass es eine enorme Wissenslücke in allen Aspekten der Iatrogenen Mehrlingsschwangerschaft gibt. Natürlich könnte man Recherchen in PubMed oder der Nationalmedizinbibliothek durchführen un dhunderte von Artiklen zurückbekommen, aber dies Artikel geben Ihnen nur die Sicht eines bestimmten Arztes auf ein bestimmtes Thema wieder. Es gab keinen Monograph der das ganze Spektum abdeckte, und so schrieben wir das auf Servietten nieder und besprachen das Thema mit David Bloomer von der Parthenon Publishing Company. Er nahm es zur Veröffentlichung an, und hat zu diesem Kongress hier die Druckfahnen mitgebracht, die in der ersten Septemberwoche auf dem FIGO Kongress vorgestellt werden werden. Natürlich kann jeder, der dies hier im Internet liest oder hört, mit der Parthenon Publishing Company in London oder New York in Verbindung treten, und wenn wir die Druckfahnen bekommen werde ich einen Link auf ihrer Webseite einfügen. Dr. Hugo Verhoeven: Oder sie können die Webseite des http://www.multiplebirth.com Zentrums für Mehrlingsforschung aufsuchen. Professor Lewis Keith: Natürlich. Dr. Hugo Verhoeven: Meine letzte Frage: In einigen länder bezahlt die Regierung für IVF oder Infertilitätsbehandlung. In anderen Ländern, wie in den USA, müssen die Patienten selbst für die Behandlung bezahlen, aber sobald die Frau schwanger ist, und Mehrling erwatret, kommen die wahren Kosten auf sie zu. Wer soll das bezahlen? Professor Lewis Keith: Ntürlich kann nicht nicht für jedes Land sprechen, und es gibt natürlich Unterschiede von Land zu Land, aber auf diesem Kongress haben wir von Elizabeth Bryan und Jane Denten von der Mehrlingsstiftung aus London gehört, wie wenig Hilfe der Staat Müttern von Mehrlingen leistet, selbst wenn diese Kinder erheblich behindert sind. Ich spreche nicht von häuslicher Hilfe wie Windeln, Rollstühle, spezielle Fahrzeuge um die Kinder zur Schule zu bringen, wenn sie spatisch behindert sind, ich spreche von finazieller Unterstützung, um das Leben einfacher zu machen. Sie sagen, es gibt so gut wie keine Unterstützung. Hier in den Vereinigten Staaten gibt es nicht nur keine finanzielle Haushaltshilfe, aber die langfristigen Kosten kommen natürlich auf den Steuerzahler zu. Oft sind die Kosten enorm. Ich kann Ihnen da ein Beispiel geben, ichkenne da einen wahren Fall, aus Chicago: Vierlinge wurden nach Clopiphenbehandlung geboren, die Mutter ging zur Entbindung in ein öffentliches Krankenhaus und drei der vier Kinder ware erheblich behindert. Der Eheman verliess sie und die Mutter bekam Sozialhilfe. Das heist, nennen Sie es wie sie wollen, der Bundesstaat Illinois kommt für alle Kosten dieses Haushalts auf, Miete, Nahrungsmittel, Kleidung und Gesundheit. Nun mag es sich dabei um relativ geringe Beträge handeln, aber in der Summe bezahlen meine Nachbarn und ich als Steuerzahler dafür. In Deutschland wird das ähnlich sein, in dem Sinne, daß wenn ein Kind eine Sonderschule besuchen muß, man nicht die Eltern darum bittet, die Rampe an der Schule zu bezahlen. Der Staat, durch des Kultusministerium baut die Einrichtungen, nicht nur die Rampe, auch die behindertengerechten Toiletten und für die Hilfsperson, so von welcher Seite Sie das auch betrachten, die Öffentliche Hand trägt die Kosten. Dr. Hugo Verhoeven: So, und was ist die Schlussfolgerung? Professor Lewis Keith: Ich glaube, Sie haben heute die Schlußfolgerung artikuliert. Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, die Rate an Iatrogenen Mehrlingsschwangerschaften zu reduzieren. Wir werden nie 100% erfolgreich sein, aber sollten wir deshalb gar nichts tun? Natürlich nicht, wir sollten alles tun, was wir können, und ich spreche jetzt als Frauenarzt, vielleicht werden in fünf Jahren weniger Frauenärzte diese Medikamente verschreiben, weil die Öffentlichkeit zur Kenntnis nimmt, daß diese sehr speziellen Medikamente nur von, sagen wir einmal, ausgebildeten Spezialisten verschrieben werden sollten. Es ist axiomatisch, jede Frau, die mit Kinderwunsch zu Ihnen kommt, nur ein Kind will. Der menschliche Uterus ist nicht für Mehrlinge vorgesehen und es geht dem Menschen nicht gut, wenn er es versucht. Dr. Hugo Verhoeven: Vielen Dank für diese interessante Aussage. Vielen Dank, nochmals. |